- Die Blaubinger Tafeln -

Schreiben des hochgeborenen Barons Nolling Haffstein von Blaubinge an den erhabenen Magister der Magister, Alsemir zu Kuslik, von 493 v. Hal, im alten Garethi belassen. Aufbewahrt in der Herzoglichen Kanzlei, Trallop. Erst kürzlich nach den zweiten weidener Unruhen in die Archive des Rhodensteins verlagert.
Der genannte Bote erreichte nimmer Kuslik. Sein Leichnam wurde im Traviamond des gleichen Götterlaufes von einigen Rundhelmen auf dem "Alten Wege" nach Nordhag entdeckt, gleichwohl ohne irdene Tafeln. Da die "Blaubinger Tafeln" aber das bisher einzige Zeugnis vom sagenhaften Zug der Beni Nurbad und Beni Nunnur sind, bleibt uns nichts als Hochgeboren Haffsteins Worten Glauben zu schenken.

"Frīhźr Nolīng Haffstain zuo Bluobing entbīt dem Erhabnen Hźr Alsemir, Maīster der Maīstin zuo wünneclīches Küslich, sīn Grüsz und höffet, dass dem Erhabnen recht güt gehet und das ouch zuo Küslich das götterīngefällige Recht hochhalten wird, wie es der līb, wīs Hźr Roāl zuo Gęreth und die vererīngswüerdig Frouwen Hźrzuogīn Līnobra zuo Vāll-op-dem-sź[1] glichvol tüen.
Erhabner. Was mīr, deme rechten Frīhźr Haffstain, den Sīnn gebīt, dīr hohīstselblīch mit dīs Srīben zuo kömmen: īm wārheitlīch minneclīch und kurzeweiliglīch Hölzemond vergangnen Götterīnlof, als Zehnettag war zuo Bluobing, da bracht mīr mīn getreulīch Voigt, der Rīttsmanne Uldrich, drīu leidlīch klein Tafelen, die gęnzelīch all sīn von braun Erden gemachet. Der genęnnete hābet sī vom Hvbhofbauern Hīlmen, der von unsrer Hźrschaft ein Hvb zuo Lehn hābet, die am Fīnsterlīch Bęche hinabreichet bis zuom Bīling Stain und zuom Ebstźt Mülweiern, dort am Hźrschaftsbluomenwald enlang bestecket ist und bis hinne zum Alger Büchhain und danne in gerader Streck rahīawęrts zum Fīnsterlīch Bęche zurüchfuīhret. Der Hvbmanne Hilmen nun liesz sīn Sweinehīrt Galmīng mit deme Gethīr hīnnab zum nęmelīch Bęche, wo dīs Hīrten die Tafelen funden hātt und sīn Hźr geben hātt, worufhīnne der sī der Hźrschaft überbrīngen hātt, von der er das Land am Bęche gegen zvuolf Silblīng gepächtet hātt - das also all, das dort gelegen ist, recht mīn ist.
Was mīr aber nun an den Tafelen uffalliglīch war: das sī recht alt warn und all seltsame Zīch trūgen, die ich mīr fürderlīchest gar niht zuo däuten wuost. Alz ich danne aber īn den Monden des grīmiglīch Fīrn in der Frouwenkāmmeren sās und die Tafelen recht betręchtet, da erkęnnete ich vol: die erstre truchet gänzelīch seltsam Zīch, die deme Źchslīch gelīch, von denen īch gar niht vil vestānden. Die beid andern aber wārn mit allei Zīch versźn, die zuo däuten mich vol ein güetteil des hźrschaftlīch Fīrhölze von den Hvbn köstet, dīnne der grosz Kamīnen muost aldiewīl nachgeleget und geschūret werden. Aber um der Heszīnth Wīln hāb īchs vol gern getān. Da war zuofurderst einmal ein Lagerīn von tüchern Hütt und hölzelīch Hüs, danebn allerlī Gekräut. Darund endecket īch vol ein grosz Wald, davor tümmeleten sīc vilerlī Liuten, die in īhrer Mitten ein groszes Vīh hātt, daz vol ein Bären wesen sīn macHal Giun den strīten si heftichlīch, denne vil der Ihrn lagen fallen, und das Fīrnsgethīr war noch niht īnmal vewündet. Uf deme zwīte Stück sah īch, wie si deme Bären hūldiglīch warn. Si hīlten erfürchtiglīch Roum under sīc und deme Bären, und tüen īm ein Hīrschen gīben. Us deme Dörfen ist danne ein klein Örte vorden, wo īnne deme heiliglīch Hüs ein Bären ist. Was ich nun zuo dīs Tafelen denklīch tüe: Das si nęmelīch den sīnghaft Züg der Bźnirīn Nünnur vom Stamm der Bźnirīn Nürbat srīben. Vol ists doch möchelīch, daz die Nünnur uf īhrm Weg giun Mītnęcht kręnkelīch zurüchblīben und ein Bären trāfen, was si nöch nīmmeren gesehn und das si das Thīr niht thuīt hāb könnet, weil er sō grosz und kräft warn. Und vil si sīc niht sāchen könnet, was es wesen warn, dächt si, daz es wesen warn ein Gött. Das nunmźr hīsze, daz die Nünnur deme Fīrn gluibiglīch warn, bīfuor die Guildlandlīch Mannen sīn kommen! Das fürdiglīch danne hīze, daz deme Fīrn hūldiglīch worn ist, bīfuor die Thōrwaln öder Hīldingerīn in Alvźn-thürn[2] landt sīn. Ist dīr daz niht wīchtiglīch, Erhabner? Ich hāb ein Böten sandt, daz er dīr die Tafelen unt dīs Srīben bręng.

Zīch des hźr Nolīng Hafstain, Baruon.

Geben am sībt Praiōsmond im heiliglīch Götterīnlof 500 nach deme Fall Bosbārans und im Iar 44 des hźr Roāl zuo GęretHal Geschźhn zuo Buirch Bluobing īnne der Grāfelīchschaft Bärenwald."

Niels Gaul

[1] "Vāll-op-dem-sź": Wall-über-dem-See, meint Trallop.
[2] "Alvźn-thürn": Alverans-Tür, meint Aventurien.

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© by Thorsten Grube, 2003