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- Baronie Drachenstein - Wei-III-08
 
Steckbrief
Wappen: In rot-blau schräggeteiltem Schild drei schrägbalkenweise anstoßende Schwerter begleitet oben von einem goldenen Drachen und unten von einem einwärts gedrehten goldenen Drachenkopf.
Einwohner: ca. 500
Hauptort: Lonatfurt (gut 100 Einwohner)
Lehnsherrin: Baronin Sindaja Schwertestreich von Silkenau
Beschreibung
Schon die beiden letzten Wegmeilen in Rotenforst lagen links des Sieben-Baronien-Weg Ländereien der Innocensier. Nach dem Passieren der Grenze zu Drachenstein liegen die Ländereien der Innocensier entlang der nächsten vier Meilen auf der rechten Seite des Sieben-Baronien-Wegs. Diese großzügigen Landschenkungen der Barone zu Rotenforst und Drachenstein und der Beginn des Straßenbaus lockten den mächtigen Orden in die äußeren Regionen des Mittelreiches, der sich im Gegenzug bereiterklärte das Grenzland zu kultivieren und tobrische Flüchtlinge bei der Ansiedlung unter seine Obhut zu nehmen.
Wenige hundert Schritt hinter der Grenze gelangt der Reisende an das Zollhäuschen, in dem der für Drachenstein anfallende Wegzoll zu begleichen ist, für die jeder eine geprägte Marke erhält. Das besondere an diesem Zollhäuschen ist, dass es die Innocensier für die Drachensteiner Herren betreiben. Sicher ist dies der Zollposten, an dem derjenige, der nicht zahlen möchte, mit den geringsten Schwierigkeiten die unbewaffneten Wächter übergehen könnte. Doch mit ihrer ausgeglichenen, freundlichen und Ruhe verbreitenden Art wirken die hier ihren Dienst verrichtenden Ordensleute geradezu anziehend und erleichternd auf alle Vorbeiziehenden, die sich üblicherweise mit gleichgültigen oder mürrischen Bütteln abgeben müssen. Der freundlich gereichte Schluck Wasser, die stets bereitgestellten Brotscheiben lassen höchstens die Gefolgsleute der Dunklen Mächte auf den Gedanken kommen, hier ohne Schwierigkeiten ohne Bezahlung weiterziehen zu können.
Der Dienst am Zollhäuschen ist für die Innocensier keine Last, sondern eine angenehme Aufgabe. Denn beim Zollhäuschen geht auch der Stichweg zur eigentlichen Abtei ab. Rund 500 Schritt nördlich des Weges, noch in Sichtweite und doch vom alltäglichen Betrieb verschont, befinden sich die weitläufigen Gebäude, in denen die Brüder und Schwestern ihre Unterkunft haben und von denen aus die ausgedehnten Ländereien verwaltet werden. Vor allem befindet sich hier aber eine der gepflegtesten, saubersten und preiswertesten Herbergen der Umgegend mit vielseitigem und vor allem liebevoll zubereitetem Essen - auf das jeder Reisende freilich von den am Zollhäuschen stehenden Innocensiern aufmerksam gemacht wird...
Südlich des Sieben-Baronien-Wegs erstrecken sich gegenüber den Ländereien der Innocensier die zum Dorf Travias Großes Haus (179 Einwohner; eine Schenke; verschiedene Handwerker) gehörenden Felder. Die hier lebenden Tobrier haben unter der Obhut der Innocensier, die sie nach ihrer Ankunft auch bis zur ersten Ernte mit Nahrungsmitteln versorgt hatten und sie bei der Errichtung des Dorfes unterstützten, eine ruhige und zukunftsträchtige neue Heimat gefunden. Im Gegenzug helfen sie den Innocensiern bei der Bestellung der Ordensländereien. Fast eineinhalb Meilen südlich des Sieben-Baronien-Wegs liegt, jenseits der Felder, das Dorf selbst, das ebenfalls vom Zollhäuschen über einen Stichweg zu erreichen ist.
Wer am Zollhäuschen der Gastfreundschaft der Innocensier widerstehen kann, sieht von nun an über etliche Meilen zu seiner linken unbewohntes, aber fruchtbares Land. Rechts allerdings sind nur Bäume zu sehen, denn größtenteils führt der Sieben-Baronien-Weg direkt an den Ausläufern des sich bis in die Rote Sichel erstreckenden Urwaldes entlang. In dieser, trotz des nördlichen Klimas, fast idyllischen Lage zwischen Feld und Wald hat der Reisende eine lange und ruhige Wegstrecke zurückzulegen, bis der Sieben-Baronien-Weg nach Westen abbiegt und mitten durch den Wald führt. Drei Meilen lang folgt der Reisende der breiten Straße durch die dichtstehenden Bäume und kann jedesmal, dass er nach links oder rechts schaut, ein wenig nachfühlen wie sich die Bauarbeiter gefühlt haben, als sie Schritt für Schritt die Straße durch den Wald getrieben haben.
Doch dann endet der Wald unvermittelt und der Weg führt über freies, leicht hügliges Feld. Er nähert sich langsam von Osten einem weitläufigen, mittelhohen Hügel, auf dessen Kuppe ein großzügig bemessenes Gebäude auszumachen ist. Wo der Wegverlauf am nördlichsten Ausläufer des Hügels dessen Fuß zu berühren, und den Hügel auf seiner westlichen Seite zu umrunden beginnt, trifft der Reisende auf das kleine Dorf Ancillaruh (71 Einwohner; eine Herberge; wenige Handwerker). Hier geht auch der Stichweg ab, der zum zwei Meilen nördlich gelegenen Gut Stiegpfortengrund des Edlen Orelan Phexdan v. Wesserfels führt.
Die Konstellation von Dorf und Kloster ähnelt sehr den Gegebenheiten beim Dorf Travias Großes Haus und der Abtei der Innocensier. Nur dass das imposante Gebäude auf der Hügelkuppe ein Kloster der Draconiter ist, die allerdings ebenfalls durch die Schenkung des Landes auf der Hügelkuppe und den beginnenden Ausbau des Goblinpfads angereizt wurden, sich hier niederzulassen. Flächenmäßig handelt es sich nicht um viel Land, allerdings befindet es sich weit und breit auf der höchsten Erhebung, so dass die Draconiter bei klarem Wetter einen ungetrübten Blick von den Höhen der Roten Sichel bis zu den Spitzen der Drachensteine haben. Im Gegenzug erklärten auch sie sich bereit, tobrische Flüchtlinge in ihre Obhut zu nehmen. Sie versorgten sie bis zu ihrer ersten Ernte und unterstützten sie bei der Errichtung ihres Dorfes.
Mitten im Herzen der Baronie Drachenstein gelegen, ist das Dorf Ancillaruh nach langer Wegstrecke die erste geruhsame Unterkunft, für die aus dem Bornland kommenden Reisenden. Die meisten kehren hier für die Nacht ein und nur sehr eilige und schnelle Reisende bevorzugen es, bis zum nächsten Ort zu reiten. Aber auch die aus dem Mittelreich kommenden Reisenden rasten hier gerne, wenn sie den Verlauf des Sieben-Baronien-Wegs kennen. Auf diese Situation haben sich die Tobrier, mit weisem Ratschlag der Draconiter, bei der Errichtung ihres Dorfes eingestellt. Den unübersehbaren Mittelpunkt des Dorfes bildet eine Herberge, die von einer Familie betrieben wird. Allerdings gehört ihr die Herberge nicht - sie gehört der gesamten Dorfgemeinschaft, die ihre gemeinsamen Vorhaben und Hilfen für einzelne Familien größtenteils aus den Einnahmen des Hauses finanziert. Um Streit bezüglich der Höhe der Einnahmen zu vermeiden und eine gewissenhafte Verwahrung des Geldes zu ermöglichen, ist die Verwaltung der Herberge den Draconitern anvertraut. Diese sind dem Dorfältesten beim Treffen der Entscheidungen für die Verwendung der Einnahmen auch immer gern behilflich.
Die folgende Strecke führt am Fuße des Hügels in weitem Bogen um diesen herum. Am westlichsten Ausläufer des Hügels trennt sich der Wegverlauf vom Fuß des Hügels und führt von nun an am östlichen Rande des Stiegpfortenforstes, eines fast 40 Quadratmeilen großen, mitten in Drachenstein gelegenen Waldes, nach Süden: hier treffen am Wegverlauf erneut Wald und Feld aufeinander und lassen die Geborgenheit des Waldes und die Weite des Feldes zusammentreffen. Noch über etliche Meilen findet sich die imposante Kulisse des Draconiterklosters im Rücken des Reisenden, die er erst endgültig aus seinem Blick verliert, wenn der Sieben-Baronien-Weg, der Grenze des Stiegpfortenforstes folgend, nach Südwesten abknickt.
An dieser Stelle hat der Reisende die halbe Wegstrecke zwischen Ancillaruh und dem nächsten Dorf zurückgelegt. Ständig dem Südrand des Waldes folgend, trifft der Sieben-Baronien-Weg am südwestlichsten Ausläufer des Stiegpfortenforstes schließlich auf das kleine Dorf Stiegpforte (52 Einwohner; ein Tsatempel; eine Schenke; kaum Handwerker). Nach dem Dorf sind sowohl der Wald als auch das entfernte Edlengut im Herzen der Baronie benannt. Und diese Umstände, die die ehemalige Bedeutung des Ortes widerspiegeln, sind ein guter Einstiegspunkt, um die heutige Situation in Stiegpforte zu verstehen.
Noch bevor der Goblinpfad zum Sieben-Baronien-Weg ausgebaut wurde und zahlreiche Tobrier nach Drachenstein geholt und in den Dörfern Ancillaruh und Travias Großes Haus angesiedelt wurden, war Stiegpforte die östlichste Siedlung in der Baronie. Der gesamte Osten der Baronie war nicht besiedelt, und wer von Stiegpforte über den Goblinpfad, der einst nicht am Edlengut Stiegpfortengrund vorbeiführte sondern sich durch die tiefsten Wälder schlang, in die östliche Nachbarbaronie Rotenforst aufbrach, galt als sehr mutige Person. Des weiteren lag Stiegpforte genau zwischen dem ganz im Westen der Baronie gelegenen Hauptort Lonatfurt und dem in der Mitte der Baronie gelegenen Edlengut: die Stiegpfortener waren immer in der Mitte des Geschehens. Und schlussendlich zweigte hier der Drachenstieg ab, der über das Tal der tausend Türme durch die Drachensteine nach Tobrien führte. Wer diesen gefährlichen Weg einschlagen wollte, kam an Stiegpforte vorbei und nutzte die Gelegenheit, ein letztes mal für lange Zeit in einer kuscheligen Kammer unterzukommen.
Der Drachenstieg ist heute das einzige, was den Stiegpfortenern geblieben ist. Und da dieser zwar bekannte aber beschwerliche Weg wenig genutzt wird, ist das auch nicht viel. Mit dem Bau des Sieben-Baronien-Wegs, der Ansiedlung der Klöster und der Gründung der tobrischen Dörfer hat der "wilde Osten" viel von seiner Unheimlichkeit verloren und Stiegpforte ist nicht mehr das vorläufige Ende des bewohnten Weiden. Vor allem aber führen die Etappen der Reisenden auf dem Sieben-Baronien-Weg zumeist nur noch durch Stiegpforte hindurch. Wer vom Osten kommt steuert nach Travias Großes Haus regelmäßig Ancillaruh an und reist am nächsten Tag nach Lonatfurt weiter. Wer aus dem Westen kommt, reist von Lonatfurt bis Ancillaruh, um am nächsten Tag nach Travias Großes Haus zu gelangen. Und nur die oben erwähnten eiligen Fälle bevorzugen es, von Osten kommend, bis nach Stiegpforte durchzureiten oder von Westen kommend, Stiegpforte zu erreichen, um es am nächsten Tag bis Travias Großes Haus zu schaffen. Ebenso schmerzlich ist der Umstand, dass das wirtschaftlich starke Gut Stiegpfortengrund nunmehr nicht mehr in engem Kontakt mit Stiegpforte steht, sondern mit dem nunmehr viel näheren Ancillaruh.
Stiegpforte hat in den vergangenen Jahren sehr viel verloren und der Unzufriedenheit der Stiegpfortener entgegenzuwirken und auch sie für die Zukunft zu begeistern, ist für die Drachensteiner Herren eine große Herausforderung.
Nach Stiegpforte schmiegt sich der Sieben-Baronien-Weg noch ein sehr kurze Wegstrecke am Rand des Stiegpfortenforstes entlang und trennt sich von diesem, sobald der Waldrand nach Norden abknickt. Weiter nach Westnordwest führend, spannt sich der Wegverlauf nun in freiem und fruchtbarem Gebiet an einer links neben der Straße liegenden Hügelkette vorbei auf Lonatfurt zu. Nach einer längeren Wegstrecke biegt der Sieben-Baronien-Weg am Ende der Hügelkette in weitem Bogen nach Süden ab.
Einmalig und viel gerühmt ist der sich dem Reisenden zu allen Jahreszeiten bietende Anblick, sobald er die Hügelkette umrundet hat und sich seine Sicht in das sich von hier nach Süden ausdehnende, zwölf Meilen lange und bis zu vier Meilen breite Tal erstreckt. Von bewaldeten und unbewaldeten Hügeln umgeben wird dieses Tal vom Flüsschen Lonat durchflossen, der einer Quelle in den letzten Ausläufern der Drachensteine entspringt.[1] In den südlichsten Ausläufern des Tals tritt er aus den sich die Hügel hinabstreckenden Wäldern hervor, durchfließt in nur sehr leicht geschlängeltem Verlauf mit einer Breite von drei bis fünf Schritt das Tal Richtung Norden, um auf der Höhe des mitten im Tal gelegenen Lonatfurts einen Bogen nach Westen zu machen. In Lonatfurt kreuzt das Flüsschen den Sieben-Baronien-Weg und begleitet ihn von nun an auf dessen westlicher Seite bis zum Ende des Tals nach Norden. An der Stelle, wo der beeindruckte Reisende diesen Anblick erstmals auf sich wirken lassen kann, fließt der Lonat in die das Tal nördlich begrenzenden Wälder.[2] Auf der das Tal im Westen begrenzenden Hügelkette verläuft die Grenze zur Nachbarbaronie Uhdenwald. Was allerdings vom Menschen getrennt wurde, ist landschaftlich vereint. Denn hier beginnt die Gegend der "zwei lieblichen Täler". Von ähnlich großer Ausdehnung stellen sie eine von umgebenden Hügeln und Wäldern geschützte und von kleinen Flüssen durchzogene fruchtbare Gegend dar, die für menschliche Ansiedlung geradezu geschaffen ist.
Mitten im ersten dieser beiden Täler, dem Lonattal, liegt das Dorf Lonatfurt (103 Einwohner; ein Perainetempel; eine Herberge; verschiedene Handwerker und Händler), dem sich der Reisende, der auf dem Sieben-Baronien-Weg weiterzieht, nun nähert. Umgeben von den von seinen Bewohnern bestellten Feldern, bietet es mit seiner Brücke den einzigen Übergang über den Lonat - bloß erfahrene Reiter können den Lonat an einer der schmaleren Stellen ohne Gefahr überspringen. Rund um das Dorf befindet sich eine drei Schritt hohe, gepflegte Palisade, die aus der Entfernung, außer zahlreichen Dächern, den Blick vor allem auf einen hohen Turm aus Stein freigibt. Hierbei handelt es sich um den Wohnturm der Herren von Drachenstein, deren Schutz weniger hohe und dicke Mauern, als vielmehr die Bewohner Lonatfurts sind, mit denen sie eher als "primi inter pares" leben, als über ihnen zu thronen.[3]
Im Dorf selbst finden sich neben einer kleinen ordentlichen, nicht für das heutige Reiseaufkommen ausgelegten Herberge, verschiedene Handwerker und Händler. Denn einerseits hatte Lonatfurt schon immer einen großen Teil der Versorgung von Stiegpforte übernommen, andererseits ist in letzter Zeit auch die Versorgung des jenseits der Hügelkette, gut vier Meilen westlich im Nachbartal gelegenen und infrastrukturell weitgehend darniederliegenden Tiefenfurt dazugekommen. Schließlich finden sich regelmäßig Innocensier und Draconiter in Lonatfurt ein, die die Beziehungen, auf der Grundlage der Gegenseitigkeit, zum Nutzen beider Seiten in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht vertiefen.
 
[1] |
Dieselbe Quelle speist auch den in die östliche Nachbarbaronie Uhdenwald fließenden Merselbach. |
[2] |
Hier verschwindet er nach wenigen Meilen unter die Erde und mündet höchstwahrscheinlich unterirdisch in den nahegelegenen Merselsee in Uhdenwald. Da dieser auch Endpunkt des Merselbachs ist, sind die der gleichen Quelle entspringenden Gewässer auch an ihrem Schluss wieder vereint. Wie überhaupt das westliche Drachenstein und das östliche Uhdenwald landschaftlich viel gemeinsam haben. |
[3] |
Denn anders als in den allermeisten Baronien, findet sich in ganz Drachenstein keine einzige Burg. Wann hätte hier auch eine errichtet werden sollen? Bei der Eroberung und Erschließung des Landes wurden Burgen immer in größeren Abständen zur Sicherung des dem Reich hinzugefügten Gebiets errichtet. Und die nächste große, vor langer Zeit errichtete Anlage befindet sich knapp sechs Meilen von Lonatfurt entfernt, gleich hinter der das Tal im Westen begrenzenden Hügelkette in der Baronie Uhdenwald. Im fernen Osten der Baronie schließlich hat es bis zum Ausbau des Goblinpfads zum Sieben-Baronien-Weg und der Niederlassung der Innocensier und Draconiter kaum menschliche Besiedlung gegeben. Und erst tief in Rotenforst siedelten sich wieder Menschen an, für die dort vor unzähligen Jahren die letzte Burg des Mittelreiches zum Bornland hin errichtet wurde. |
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